Reiterin und Pferd von hinten im Winter

Kotwasser beim Pferd – verstehen, einordnen und gezielt unterstützen

Kotwasser ist für viele Pferdehalterinnen und Pferdehalter ein wiederkehrendes Thema. Die Äppel sind geformt, und trotzdem läuft bräunliche Flüssigkeit ab – manchmal nur beim Absetzen, manchmal auch unabhängig davon. Das ist nicht nur ein Hygieneproblem (Hautreizungen, Mauke-Risiko, Scheuerstellen), sondern ein Hinweis darauf, dass Wasserbindung und/oder Dickdarmmilieu nicht optimal zusammenspielen.

Die gute Nachricht vorweg: Kotwasser ist in den meisten Fällen kein Anzeichen für eine akute Erkrankung, sondern ein Signal, dass im Verdauungssystem etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Und genau dort lässt sich ansetzen.

Was passiert bei Kotwasser im Darm?

Im Dickdarm des Pferdes wird der Futterbrei fermentiert, Fasern werden aufgeschlossen und Wasser wird gebunden. Gerät dieses fein abgestimmte System aus dem Takt, kann es passieren, dass sich feste und flüssige Bestandteile trennen: Die Kotballen bleiben geformt, überschüssige Flüssigkeit tritt separat aus.

Auslöser dafür sind meist mehrere Faktoren gleichzeitig: eine nicht optimal abgestimmte Ration, schwankende Heuqualität, Stress, wenig Bewegung oder saisonale Umstellungen. 

Kotwasser ist also ein Symptom, kein eigenständiges Krankheitsbild. Das ist wichtig, denn es bedeutet: Es gibt nicht «die eine Ursache» – sondern mehrere mögliche Stellschrauben.

Welcher Mangel liegt bei Kotwasser vor?

Bei Kotwasser ist fast nie ein klassischer Mangel an Vitaminen oder Mineralstoffen die Ursache. Viel häufiger liegt ein Mangel an funktioneller Faser und Stabilität im Verdauungssystem vor.

Der Dickdarm ist darauf angewiesen, dass genügend strukturreiche Fasern vorhanden sind, um Wasser zu binden und eine gleichmässige Kotkonsistenz zu gewährleisten. Enthält die Ration im Verhältnis zu viel Zucker oder Stärke – etwa durch Müslis oder energiereiches Kraftfutter – oder fehlt es an konstantem, hochwertigem Raufutter, kann diese Wasserbindung gestört werden.

Man kann also sagen: Kotwasser entsteht oft dann, wenn der Darm zu wenig Halt und zu wenig Ruhe bekommt. 

Was bindet Kotwasser beim Pferd?

Um überschüssige Flüssigkeit zu binden, haben sich in der Praxis vor allem faser- und schleimstoffreiche Komponenten bewährt. Sie unterstützen den Darm dabei, Wasser im Futterbrei zu halten und die Verdauung zu stabilisieren.

Dazu zählen unter anderem:

  • Flohsamenschalen, die stark quellen, Wasser binden und den Darminhalt strukturieren. Sie werden häufig auch bei sandigen Böden eingesetzt.
  • Johannisbrotkernmehl, das reich an Schleimstoffen ist und die Kotkonsistenz auf natürliche Weise festigen kann.
  • Faserreiche Ergänzungen, die den Dickdarm gleichmässig beschäftigen und die Fermentation unterstützen.

Ergänzend kann es sinnvoll sein, die Darmtätigkeit insgesamt zu stabilisieren. Produkte wie EquiPower Probiotikum von VETRIPHARM setzen hier an, indem sie den Erhalt und die Wiederherstellung einer physiologischen Magen-Darmtätigkeit fördern.

Wichtig ist: Solche Komponenten entfalten ihre Wirkung am besten, wenn sie Teil eines stimmigen Gesamtkonzepts sind und nicht als alleinige Lösung betrachtet werden.

Wie bekomme ich Kotwasser beim Pferd weg?

Kotwasser lässt sich selten mit einer schnellen Massnahme «abstellen». Erfolgreich ist meist ein ruhiger, schrittweiser Ansatz, der den Darm nachhaltig entlastet.

Die Basis überprüfen

Bevor ergänzt wird, sollten grundlegende Punkte stimmen:

  • ausreichende Raufuttermenge in gleichbleibender Qualität
  • regelmässige Zahnkontrolle
  • aktuelle Kotprobe
  • möglichst wenig Futterwechsel

Die Ration vereinfachen

Viele Pferde profitieren davon, wenn:

  • Zucker- und stärkereiche Futtermittel reduziert werden
  • die Energieversorgung vermehrt über Faser statt über Stärke erfolgt
  • Fütterungszeiten konstant bleiben

Den Darm ihres Pferdes gezielt unterstützen

In Phasen mit Kotwasser kann eine gezielte Unterstützung sinnvoll sein:

Solche Ergänzungen sollten über mehrere Wochen konsequent eingesetzt und nicht ständig gewechselt werden.

Management nicht unterschätzen

Stress wirkt direkt auf die Verdauung. Ausreichend Bewegung, ruhige Fütterungssituationen und ein möglichst gleichbleibender Tagesablauf sind oft genauso wichtig wie das richtige Futter.

Warum haben viele Pferde im Winter Kotwasser?

Kotwasser tritt auffallend häufig in der kalten Jahreszeit auf. Das liegt weniger am Wetter selbst als an den Veränderungen, die der Winter mit sich bringt.

Mit dem Ende der Weidesaison erfolgt die Umstellung von frischem Gras auf Heu. Gleichzeitig bewegen sich viele Pferde weniger und verbringen mehr Zeit im Stall. Neue Heuchargen, veränderte Routinen und mehr soziale Spannungen in der Herde kommen hinzu.

All diese Faktoren belasten den Verdauungstrakt gleichzeitig – und genau das zeigt sich bei empfindlichen Pferden oft in Form von Kotwasser.

Kotwasser braucht Geduld – und ein gutes Fundament

Kotwasser ist selten ein Drama, aber ein deutliches Zeichen dafür, dass der Darm aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wer nicht nur Symptome überdecken möchte, sondern langfristig etwas verändern will, sollte auf Struktur, Konstanz und gezielte Unterstützung setzen.

Ein stabiles Raufutterfundament, eine reduzierte, übersichtliche Ration und ausgewählte Ergänzungen – wie wasserbindende Fasern, darmstabilisierende Kräuter oder probiotische Unterstützung – helfen vielen Pferden, wieder zu einer sauberen, ausgeglichenen Verdauung zurückzufinden.

Geduld zahlt sich dabei fast immer aus – und der Darm dankt es mit Ruhe.

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